Kunst & Kultur Nachrichten

Interview mit A. Jorge

Eva Weinberg im Gespräch mit dem Künstler A. Jorge, über den Johannistrieb, seiner Kunst aus Tassen mit Henkeln, dem Spannungsverhältnis zwischen Mann und Frau und weiteren interessanten Gedanken des Künstlers.

Hallo A. Jorge, erst mal danke, dass Sie sich Zeit nehmen, unseren Besuchern einige Einblicke in Ihre Arbeit zu gewähren, und Sie als Person kennenzulernen.

Eva: Sie erwähnten, dass Ihr Urgroßvater, Herr Carl Teichert, Einfluss hatte auf Ihre Passion mit gebranntem Ton Kunstwerke zu erschaffen, wie muss man sich das vorstellen?

A.Jorge: Der Töpfermeister Carl Teichert gründete in Meißen eine Ofen- und Porzellanfabrik, in der auch Porzellane in Handmalerei mit dem Zwiebelmuster-Dekor und später Vasen, Figuren und Tierplastiken hergestellt wurden. Das Teichertgeschirr ist heute bei Sammlern hoch geschätzt. Die Stadt Meißen ehrte Carl Teichert durch eine Teichertstraße und einen Teichertring. Nachdem ich mehrere Tonfiguren mit farbigen Glasuren gebrannt hatte, erinnerte ich mich der alten Familiengeschichte, und da mein Vater Arzt und Künstler war, glaube ich, dass davon doch einiges in den Genen verankert ist.

Eva: Erinnern Sie sich an Ihr erstes großes Kunstwerk?

A.Jorge: Sicher gehört die Arbeit "JOHANNISTRIEB" dazu, die man erst versteht, wenn man folgendes weiß: Botanisch ist Johannistrieb eine Bezeichnung für ein erneutes Aussprossen eines Triebes nach längerer Ruhepause. In der Medizin bezeichnet es das gesteigerte sexuelle Verlangen eines schon älteren Menschen. Dem sexuellen Symbol Hahn sprosst ein grüner Trieb, den er und die Henne nicht nur mit Erstaunen betrachten.

Eva: Woraus schöpfen Sie die Kraft oder nehmen die Ideen, auf außergewöhnliche Art Kunstwerke zu erschaffen?

A.Jorge: Häufig ist es beim Hören von klassischer Musik, dass ich z.B. in einer umgedrehten Tasse mit Henkel ein Gesicht mit Nase sehe und weitere Geschirrteile ergänze, bis daraus eine Figur entsteht.
Anschließend habe ich das Thema variiert, bis eine ganze "FAMILIE PORCELLA" versammelt war.

Eva: Haben Sie ein Lieblingsobjekt und aus was für Gründen ist dieses Ihr Favorit? Gibt es ein Kunstwerk oder mehrere, die Sie auf keinen Fall abgeben würden?

A.Jorge: Ein wiederkehrendes Thema ist das Spannungsverhältnis zwischen Mann und Frau, wie es in einem meiner Favoriten "VERFÜHRUNG" dargestellt ist. Der kleine Mann folgt der Verlockung, sieht aber nur die halbe Wegstrecke und nicht das drohende Ende seiner Bemühung.

Wenn ich mit meinen Werken Anderen eine Freude machen kann, trenne ich mich gern und freue mich, wenn ich sie dann wiedertreffe.

Eva: Wie lange braucht es, bis eines Ihrer Kunstwerke vollendet ist?

A.Jorge: Das ist naturgemäß sehr unterschiedlich. Keramiken müssen trocknen, werden gebrannt, glasiert und erneut gebrannt. Wenn man nur das Formen des Tons betrachtet, so werde ich nicht vergessen, wie ich bei der Arbeit "Johannistrieb" in Panik verfiel, weil mir plötzlich ganz viele Ideen kamen und ich Angst hatte, nicht schnell genug den Ton in die richtige Konsistenz zu bekommen. Der Hahn mit seinen ostentativ gespreizten Flügeln war in knapp einer Stunde fertig.

Eva: Sie sind als Allgemeinmediziner tätig, inwieweit beeinflusst das Ihre Arbeit als Künstler? Und gab es mal die Idee, sich hauptberuflich der Kunst zu verschreiben?

A.Jorge: Es ist sicher die Gesamtheit der Erlebnisse, die einen Menschen auch als Künstler formen, und somit waren die Erfahrungen als Arzt bestimmt nicht ohne Einfluss. Was aber kann schöner sein, als dem herrlichsten Beruf der Welt nachzugehen und Kunst in finanzieller Unabhängigkeit zu betreiben.

Eva: Wie kam es zu der Arbeit mit dem Japanpapier, und wie muss man sich die Arbeit damit vorstellen?

A.Jorge: In meiner Jugend habe ich als Modellbauer Flugzeugflügel mit Japanpapier beklebt. Auf das Papier wurde dann Tapetenkleber gestrichen, wodurch sich die Oberfläche nach dem Trocknen spannte.
Bei meinen Lichtobjekten habe ich aus verzinktem Draht Objekte gelötet, die innen mit Leuchtmitteln versehen wurden und dann durch diese Bespanntechnik einen schönen Leuchteffekt ergaben. So entstanden verschiedene Stand- und Deckenlampen wie der "ANGLERFISCH" als Deckenlampe für das Kinderzimmer meiner Enkel.

Eva: Haben Sie den Umgang mit den Materialien, die Sie verwenden, in eigener Regie erlernt oder sich anderweitig angeeignet?

A.Jorge: Einen Kunst- oder Malkurs habe ich nie besucht, und als Bastler probiere ich alles selbst aus. Das ist oft mit Verlusten verbunden, aber wenn man Erfolg hat, auch viel beglückender, als wenn man etwas nur nachmacht.

Eva: Kann man zurzeit Ihre Werke in einer Ausstellung bewundern?

A.Jorge: Meine Kunst mache ich in erster Linie für meine Freunde und für mich selbst. Ausstellungen dienen dem Bekanntwerden und als Verkaufsbasar, und daran bin ich nicht interessiert. Wenn Besucher dann bei Freunden Werke von mir entdecken und nachfragen, verweise ich sie auf die Menschkunstseite, wo ich Objekte auch zum Kauf angeboten habe. Auf diese Weise lernen sie auch noch weitere meiner Künstlerkollegen kennen.

Eva: Was war Ihr letztes Werk oder arbeiten Sie gerade an einem?

A.Jorge: Eines meiner letzten Objekte ist das Lichtobjekt "HETZERMOBIL", das Frau Heidi Hetzer, eine Berliner Persönlichkeit, die als Rennfahrerin bekannt wurde, sich gewünscht hat. Es ist in den Empfangsräumen der Firma Opel-Hetzer in Berlin zu besichtigen.

K O N T E X T

MenschKunst-Galerie von A. Jorge:
http://www.a.jorge.menschkunst.de



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