Interview mit Mehrdad Zaeri

Künstler unter sich: Die Künstlerin Esmeralda Deike im Gespräch mit Mehrdad Zaeri. ´Meine Bilder sind selten das Ergebnis einer Idee und dienen nicht der Agitation, oder wollen die Welt mit neuen Einsichten bestücken! Mein Ansatz ist rein poetisch und äußerst persönlich.´

Mit diesem Zitat von Rüdiger Stein (Rülle) beschreibt Mehrdad seine Art und das Kriterium seiner Kunst. Seine Werke sind der Grund für die vertiefte Betrachtung, um dadurch zum Genuß derselbigen zu gelangen. Seinem Opus gelingt es, das Kind, das in jedem von uns schlummert, zu erwecken. Kunstwerke voller Sanftmut und Zärtlichkeit. Bilder, die nicht nur der einfachen Betrachtung mit dem Auge dienen, sondern vielmehr mit dem Herzen erfühlt werden müssen, um die Musik und Poesie zu erfassen, in die diese gebettet worden sind. Seine Kunst, manchmal provokativ, manchmal voller Humor, zusammengesetzt aus Linien, gibt den Gefühlen, Träumen, Phantasien und in gewisser Weise auch der Melancholie Ausdruck. Einfache Umrisse , spontan und mit sicherer Hand entworfen, weisen eine starke Ausdruckskraft auf. In den verschiedenen Techniken der Umsetzung offenbart sich die Handschrift Mehrdads.

Es sind aber nicht nur diese Werke, die ihn so faszinierend machen, sondern auch das Charisma und Anziehungskraft seiner besonderen Persönlichkeit. Mehrdad, ein Mensch, der gemäß seiner Philosophie für und wegen der Kunst lebt und einfach nur glücklich sein möchte.Mehrdad, ein Künstler, der zur rechten Zeit den Sinn und das Ziel seines Lebens sowie den Weg dorthin entdeckt hat; er ist eine Person, die geradezu für die Kunst geboren ist. Esmeralda: Du stammst aus einer iranischen Familie, kannst Du uns da etwas erzählen? Mehrdad: Ja, wir sind alle zusammen nach Heidelberg gekommen, mein Bruder Mehrshad (27), das zweite Kind der Familie, ist bald mit dem Informatik-Studium an der FH-Karlsruhe fertig. Mein Bruder ist ein sehr vielseitiger Mensch. Er ist politisch und sozial aktiv, z.B. in einer Hilfsgruppe für Asylbewerber in Deutschland. Er ist gleichzeitig sportlich, denn er ist ein sehr guter Basketballspieler, außerdem ist er ein großer Freund der Bildenden Kunst und Kino. Er ist ein Mensch, der sehr gerne reist, er war vor kurzem acht Monate lang in Südafrika und hat dort auch im Informatikbereich gearbeitet und studiert. In diesem Jahr bekam er den begehrten "DAAD-Preis" in Karlsruhe. Dieser Preis geht einmal im Jahr an einen ausländischen Studenten, der im Studium und im sozialen Geschehen der Stadt Karlsruhe besonders aktiv war. Meine Schwester Mehrnousch (26) lebt in Freiburg, ist Sozialpädagogin und mächte noch Jura studieren. Ihr Arbeitschwerpunkt ist im Bereich "Asyl". Sie ist der Meinung, dass sie als Juristin viel bessere Chancen hat, etwas zu ändern. Sie ist in diesem Jahr die erste Vorsitzende des Asylarbeitskreises in Baden-Württemberg geworden. Das letzte Kind in unserer Familie ist Mehrnaz (23), sie lebt noch in Heidelberg, wo sie eine Ausbildung in Logopödie macht. Unsere Eltern leben beide in Heidelberg. Esmeralda: Wann bist Du auf den Kunstgeschmack gekommen? Mehrdad: Ich habe einfach im Kunstunterricht ungefähr in der achten/neunten Klasse viel gezeichnet und die Leute haben mir gesagt, dass ich noch mehr machen sollte. Und so habe ich gedacht, wenn es den Leuten gefällt, Warum nicht? Langsam habe ich immer mehr die Kunst für mich entdeckt und dann, als ich den Meister von mir, den Herrn Karami kennen gelernt habe, der ein Freund meines Vaters war, habe ich zum ersten Mal einen ernsthaften Kontakt mit der Malerei gehabt. Als er mir beigebracht hat, wie man malt, wurde es für mich mit der Kunst immer wichtiger. Vor dem Abitur habe ich immer gedacht, etwas mit Kreativität, z.B. Grafikdesign, Architektur oder Industriedesigner zu machen. Als ich mein Abitur abgeschlossen habe, musste ich mich entscheiden, welchen Weg ich gehen wollte? So habe ich mich entschieden, nur Kunst zu machen, auch nicht zu studieren, auch keine Ausbildung zu absolvieren, keine Lehre, nichts, nur Kunst. Jetzt weiß ich, dass es sehr gefährlich ist, wenn man sich für Kompromisse entscheidet, die nicht künstlerisch sind, sondern nur etwas kreativ. Beispielsweise Grafikdesign, weil man denkt man könne da kreativ sein und gleichzeitig Geld verdienen. Aber wenn man den Wunsch hat, Künstler zu sein, dann sind diese Alternativen alle falsch, es sind Kompromisse, die nicht gut sind, man muss sich entscheiden, ganz radikal ein Künstler zu sein, wenn man "Kunst" machen will. Man verdient vielleicht kein Geld damit, aber man ist so glücklicher und das ist das Wichtigste. Mein Wunsch war es, mich mit Kunst zu beschäftigen. Aber ich habe große Probleme damit gehabt. Esmeralda: Welche Probleme hast Du gehabt? Mehrdad: Probleme hatte ich beispielsweise mit meinen Eltern. Sie hatten den Wunsch, dass ich studieren würde. Das ist das, was Eltern nämlich immer wollen. Ihr Kind soll studieren, damit es glücklich und erfolgreich wird. Aber wenn das Kind dann aber nach dem Abitur meint, etwas anderes machen zu wollen, nicht zur Universität zu gehen und auch keine andere Ausbildung absolvieren zu wollen, dann ist das für die Eltern sehr unangenehm. Esmeralda: Wie stellst Du Dir deine persönliche Zukunft vor? Mehrdad: Meine Zukunft stelle ich mir überhaupt nicht vor, ich weiß aber nur, dass ich Kunst machen und damit glücklich sein möchte. Ich denke nicht darüber nach, wie ich es in der Zukunft angehe, in welchem Land, mit welchem Beruf oder mit welchen Menschen ich leben will. Sollte ich irgendwann feststellen, dass mir die Kunst keinen Spaß mehr macht, und statt dessen wäre ich dann vielleicht lieber Bäcker, dann werde ich eben versuchen, ein Bäcker zu werden. Das ist sicher. Ich beschäftige mich einfach mit dem, was mir wichtig ist, um im Leben glücklich zu sein. So habe ich mich vor zehn Jahren für die Kunst entschieden. Sie schien mir der einzige Weg zu sein, der zum langfristigen Glück führte. Esmeralda: Ja, das ist eine sehr relative Angelegenheit ... Mehrdad: Ja, klar. Es gibt ein paar wenige Dinge, die für mich sehr wichtig sind. Das ist zunächst einmal meine Familie. und meine Freundin Sonja, mit der ich seit 9 Jahren zusammen lebe. Und schließlich ist da auch meine Kunst. Das sind die drei Dinge. Dieser Wunsch, Glücklich zu sein heißt nicht, dass man egoistisch sein muss. Dises Glück ist nicht vergleichbar mit dem berühmten "FUN". Es richtet sich nicht nur auf das eigene Ego, sondern auf das Glück im Kreise der Mitmenschen. Ich bin kein Mensch, der nur Spaß haben will und sich nur mit dem eigenen Ego beschäftigt.Das Glücklichsein muss mit den Menschen um einen herum funktionieren. Das wäre am Schönsten. Esmeralda: Was vermisst Du am meisten von Deinem Heimatland? Mehrdad: Meine Kindheit. Mein Heimatland ist für mich gleichzusetzen mit meiner Kindheit. Es sind viele schöne Erinnerungen. Die Erinnerungen sind eine Mischung aus "Zeit" und "Raum". Diese zwei Dimensionen sind in diesem Fall nicht voneinander zu trennen. Meine "Heimat" ist allerdings Heidelberg. Hier lebe ich seit 15 Jahren und ich würde diese Stadt vermissen, wenn ich irgendwann woanders leben würde. Esmeralda: Was denkst Du, verdankst Du Deutschland im Hinblick auf Deine Kunst? Mehrdad: Deutschland ist das Land, in dem ich erwachsen wurde. Hier ist meine Kunst auf die Welt gekommen, hier habe ich mich entschieden ein "Künstler" zu werden. Die europäische und speziell, deutsche Kunst, hat einen großen Einfluss auf meine Arbeitsweise gehabt. Ich hätte mit Sicherheit anders gemalt, wenn ich in Australien, Amerika oder sonst wo leben würde. In Deutschland ist es für einen Menschen wesentlich einfacher ein Künstler zu werden als im Iran. Hier werden "Künstler" zwar nicht besonders unterstützt, aber man wird auch nicht von der Gesellschaft fertig gemacht, wenn man anders ist als die andern. Hier darf man unbequem sein. Hier darf man sich "lächerlich" machen, wenn man es will. Im Iran hätte ich mich vielleicht für die Medizin entschieden. Das wäre die perfekte Fortsetzung in der Familie und der einfachere Weg. Mein Vater ist ein bekannter Arzt in unserer Stadt "Esfahan" gewesen und ich war auf dem Wege sein Nachfolger zu werden. Hier, in Deutschland habe ich die "Frechheit" kennen gelernt, "NEIN" zu sagen. Es fiel meinen Eltern schwer es zu akzeptieren aber heute sind sie beide froh darüber und sogar stolz, ihren Sohn als "Künstler" vorzustellen. Esmeralda: Gibt es ein bestimmtes Land, in dem Du Dich und Deine Arbeiten gerne bekannt machen würdest? Mehrdad: Da ich zur Zeit in Deutschland lebe, ist es auch das Land, das mich in dieser Beziehung am meisten interessiert. Ich glaube es wäre aber jetzt zu früh, mit solchen Gedanken zu spielen, denn mein Ziel ist der lebenslange Spaß an meiner Kunst. Wenn ich irgendwann auch noch davon einigermaßen leben kann, dann habe ich es für mich geschafft. Der Rest wären alles Träumereien, die aber gerne auch erfüllt werden könnten/ sollten. Esmeralda: Welcher Stilrichtung ordnest Du Deine Werke zu? Mehrdad: Ich würde meine Stilrichtung als eine Mischung zwischen "Naive Grafik", "Expressionismus" und "Neue Sachlichkeit", und "Cartoon" bezeichnen. Esmeralda: Hat der Expressionismus für Dich Grenzen? Mehrdad: Ja, natürlich. Es gibt nichts, was keine Grenzen hat. Meiner Meinung nach hört der Expressionismus mit der Auflösung der Gegenständlichkeit auf. Die "neue" Welt der abstrakten und der multimedialen Kunst hat schon längst neue Maßstäbe gesetzt. Wir befinden uns aber auch mitten in einer Zeit, in der alle Kunstrichtungen ihren Platz neben einander gefunden haben. Verschiedene Kunstrichtungen entwickeln sich parallel und bekommen durch die Fusion miteinander immer neue Gesichter. Der Expressionismus ist genauso lebendig wie vor etwa 80 Jahren. Er sieht nur etwas anders aus. Aber an sich habe ich gar keine große Ahnung von der Kunstgeschichte. Der Grund, warum ich viele meiner Bilder unter der Kategorie "Expressionismus" eingeordnet habe ist nur, weil ich nicht wusste, wo sie sonst eingeordnet werden sollten und da ich sehr oft Expressionisten als Vorbilder hatte entschied ich mich eben dafür. Weiß denn jemand eine bessere Kunstkategorie für meine Bilder? Esmeralda: Welches sind Deine Arbeitsmittel? Was benutzt Du am Häufigsten? Mehrdad: Ich arbeite sehr viel mit dem Stift, also ich habe früher, vor etwa 8 Jahren, viel mit Öl, Aquarell und Pastellkreide gearbeitet und das habe ich schon längs aufgegeben. Ich habe irgendwann keinen Spaß mehr gehabt, und das hat mich einfach nicht mehr glücklich gemacht. Dann habe ich immer mehr festgestellt, dass mich Stifte faszinieren. Esmeralda: Welches war Dein erstes mit Buntstiften gemaltes Bild? Mehrdad: Das war "Angst", Ich habe lange davor, viel mit schwarzen Stiften und Tusche gearbeitet. Ich habe am Anfang, vor etwa 12 Jahren, einen Lehrer gehabt, der mir etwa vier Jahre lang die altmeisterliche klassische Malerei beigebracht hat. Er hat mir beigebracht, wie man mit Öl, Aquarell, Pastell und Bleistift arbeitet. Den Lehrer habe ich in Heidelberg zwischen den Jahren 1989 und 1991 gehabt. Mein Lehrer kannte die moderne Kunst nicht, er wusste nicht wie man moderne Bilder malt, er konnte auch nicht Sachen aus dem Kopf malen, sondern er musste seine Objekte; Stillleben, Landschaften oder Porträts vor sich haben. Er war ein großer Verehrer von Rembrandt. Ich habe irgendwann erkannt, dass ich nicht bei ihm bleiben durfte. Dann habe ich aufgehört, weil ich unbedingt die Bilder malen wollte, die in meinem Kopf waren, so habe ich angefangen meine eigene Kunst zu entwickeln. Ich hatte viel Spaß an der -für mich- neuen Kunstwelt, z.B. an Picasso usw. und er konnte es nicht verstehen. Esmeralda: Würdest Du wieder im klassischen Stil malen? Mehrdad: Das kann ich mir im Moment absolut nicht vorstellen. Es gab Zeiten, in denen ich die klassische Malerei vergöttert habe. Heute gilt meine Bewunderung mehr für andere Kunstrichtungen. Esmeralda: Du charakterisierst Dich unter anderem durch die langen Titel Deiner Bilder. Warum benutzt Du keine Titel in der Sprache Deines Landes? Mehrdad: Es hat auch schon Bilder gegeben, die zuerst einen persischen Titel hatten. Die Titel wurden erst dann ins deutsche übersetzt. Meine Ausstellungen finden meist in Deutschland statt, also ist das schon einmal ein Grund sie auch in Deutsch zu schreiben. In den letzten 15 Jahren habe ich natürlich die deutsche Sprache viel mehr gesprochen als persisch. Auch wenn ich meine Muttersprache noch fließend sprechen kann ist das für mich einfacher meine Gefühle und Gedanken auf Deutsch zu äußern. Ich träume sowieso schon längst auf deutsch.

Esmeralda: Könntest Du mir die Titel einiger Deiner Werke nennen, die für Dich eine ganz besondere Bedeutung haben? Mehrdad: Die Bilder, die man in MeKu sehen kann sind diejenigen, die mir persönlich wichtig sind. Alle. Den (großen) Rest muss man bei mir tief in der Schublade oder im Mülleimer suchen. Esmeralda: Von ein paar Deiner Bilder könnte ich sagen, dass sie provozieren oder schockieren... Mehrdad: Ich würde sagen, ich habe im Großen und Ganzen drei große Richtungen von Bildern. Die erste Richtung sind die Bilder, die weich, träumerisch und etwas melancholisch sind, z.B. Wald, Leise mitgenommen oder " Kurz nach der ersten Seelenverletzung". Dann gibt es Bilder, die provokativ und agressiv sind, z.B. "Köpfen", "Schandfleck macht Dreck", "Luxus"und "ins eigene Fleisch". Die dritte Gruppe sind die etwas skurrilen z.B. " Irgendwie sind wir alle schwanger" oder "Eule im Fahrstuhl" Esmeralda: In welcher Stimmung hast Du diese Bilder geschaffen? Mehrdad: Im Grunde muss ich nicht selbst aggressiv oder depressiv sein, um solche Bilder zu realisieren, sondern genau das Gegenteil. Wenn ich sehr gut darauf bin, dann kommen sie raus und manchmal gerade umgekehrt, wenn ich sehr melancholisch und sehr traurig bin, zeichne ich Bilder, die sehr lustig sind. Oft erzählen mir die Ausstellungsbesucher, sie hätten zuerst gedacht, dass das verschiedene Bilder von verschiedenen Künstlern wären. Das kommt wieder von der Philosophie, dass ich einfach glücklich sein will. Ich will nicht meine Richtung festlegen. Ich arbeite einfach nach meinem Gefühl. Es gibt viele Künstler, die denken, sie müssen eine bestimmte Technik haben oder eine feste Handschrift, um erfolgreich und seriös zu sein. Vielleicht stimmt das. Ich weiß es nicht, ich muss nicht seriös sein, ich muss nicht einen guten Eindruck machen. Esmeralda: Wie ist Dein Verhältnis zur abstrakten Kunst? Mehrdad: Abstrakte Kunst ist meist nichts für mich. Ich habe einmal versucht, in eine Kunstschule zu gehen, aber diese Kunstschule war nicht das Richtige für mich, weil ihre Arbeitsweise abstrakt war. Ich war dort ein Außenseiter mit kleinen Zeichnungen, die keineswegs revolutionär waren. Die Studenten waren mir zu cool, manchmal richtig arrogant und sie waren alle besessen von einem Wunsch: Etwas REVOLUTIONÄRES zu sein. Und womit wollten sie das erreichen? Natürlich mit der Butter, die sie an die Wände schmissen. Abstrakte Kunst ist nichts für mich, meine Arbeit ist nicht abstrakt und die Werke, die ich bei anderen Künstlern schätze sind oft gegenständlich. Ein großes Problem das ich mit der Welt der abstrakten Kunst habe, tritt auf, wenn in der Kunst sehr viel geredet wird. Ich persönlich mag mehr die Kunst, die man sieht und fühlt, und nicht die Kunst, die zu ihrem Verständnis ein großes Studium erfordert. Ich will nicht stundenlang irgendwelche Broschüren durchlesen, um zu verstehen, was der Künstler ausdrücken wollte. Es gibt viele Leute, die Beuys verehren. Es muss etwas dran sein, das viele Menschen anzieht, aber mich bewegt seine Kunst kein Zentimeter. Ich muss ja auch nicht jeden Künstler verstehen, der bekannt ist, der in irgendeiner Zeit, z.B. in der heutigen Zeit respektiert wird und als Künstler bezeichnet wird. Ich habe meine Kunst, ich habe meine Lieblingskünstler, und bin glücklich damit. So geht es auch bei meiner Kunst, Manche sagen, dass meine Bilder zu konservativ und nicht verrückt genug sind. Meine Bilder sind nicht großformatig, nicht revolutionär, und ich finde es gut so. Ich weiß nur, dass ich nicht jetzt und heute eine Revolution machen will, ganz und gar nicht, ich will einfach meine Träume, meine Gedanken, meine Gefühle mit Farben und mit Linien zeichnen.

Esmeralda: Das entspricht genau dem, was dieses Zitat von Rüdiger Stein ausdrückt. Mehrdad: Das ist richtig, wir sind uns beide in einem wichtigen Punkt einig: Wir machen Kunst um unsere Gedanken, und Gefühle durch die Bilder zum Ausdruck zu bringen und nicht um die Welt mit neuen revolutionären Ideen zu bewegen. Bei den Bildern von Rülle sind Poesie und Gefühle sehr wichtig In dieser Hinsicht fühle ich mich mit ihm stark verbunden. Esmeralda: In Deiner Kunst sind unter anderem F.K.Waechter, Janssen, Klee und andere Künstler Vorbilder. Diese waren gewiss auch keine Revolutionäre. Mehrdad: Eben, Horst Janssen ist kein Revolutionärer Künstler.Er hat eigentlich nur Zeichnungen gemacht , darunter viele Porträts, er hat viel mit Linien gespielt und darum fahre ich so auf ihn ab. Er hat keinen neuen Weg gezeigt, aber das macht mir überhaupt nichts aus. Ich muss nicht auf eine Performance gehen und sehen, wie der Künstler nackt mit blauer Farbe um sich schmeißt, um dann sagen zu können, das es etwas Neues oder Besonderes ist. Es reicht für mich, wenn ich Zeichnungen sehe, die ich schön finde, das genügt mir, mehr will ich nicht. Esmeralda: Was ist Deine Meinung zur Dokumenta? Mehrdad: Dokumenta hat mich noch nie besonders gereizt. Von einer Kunst, die tief in der Seele des Machers und des Betrachters sitzt, kann ich bei Dokumenta nicht reden. Die "Dokumenta-Kunst" sitzt mehr im Kopf. Sie ist intelektuell und nicht begehrenswert. Ich gehe lieber auf eine Ausstellung von Kollwitz oder Barlach.

Esmeralda: Wie ist Deine persönliche Einstellung zur Gruppe OPEN ART? Mehrdad: Ich war einige Jahre lang Mitglied in der Künstlergruppe Open Art, das waren Künstler aus Heidelberg und diese Künstlergruppe war eine sehr wichtige Sache für mich. Ich habe auf der Neckarwiese in Heidelberg oft mit diesen Künstlern zusammen ausgestellt und so habe ich meine ersten Erfolge gehabt. Der Erfolg war, dass viele Leute, die mich noch nicht kannten, auf ihrem Spaziergang zufällig vorbeikamen. Dabei haben sie unsere Bilder gesehen und so bin ich langsam bei einem größeren Publikum angekommen. Dies war jene Aktivität, die ich zusammen mit der Künstlergruppe Open Art hatte. Die Künstlergruppe Open Art gibt jetzt nicht mehr, mittlerweile sind wir, die Mitglieder von der Gruppe, aber gute Freunde und treffen uns immer wieder, um gemeinsame Kunstveranstaltungen zu organisieren. Esmeralda: Welche Rolle spielt der Romanische Keller in Heidelberg für Dich? Mehrdad: Der "Romanische Keller" ist ein sehr schönes atmosphärisches Theaterhaus in der Heidelberger Altstadt. Von großer Bedeutung waren meine Nachtausstellungen im Romanischen Keller, ich habe bis jetzt drei Nachtausstellungen gemacht. Dabei handelt es sich um eine Ausstellungsreihe, die vielleicht noch einige Jahre fortgesetzt wird, Sie findet einmal im Jahr statt, und das seit 1999. In diesem Jahr werde ich keine Nachtausstellung organisieren, weil ich keine Zeit habe, aber nächstes Jahr wieder. Die Idee zu den Nachtausstellungen hatte ich einmal, als ich sehr entäuscht von den Galeristen war, weil ich festgestellt habe, das nicht alle Galeristen nur "Helfer und Freunde" sind, das macht aber auch nichts, denn es ist klar, sie müssen auch ihr Geld verdienen. Esmeralda: Wie klassifizierst Du einen Galeristen? Mehrdad: Galeristen sind nette Leute, es sind aber auch Leute, die manchmal überhaupt nichts von Kunst verstehen. Natürlich kann ich nicht behaupten, dass alle Galeristen so sind. Es gibt auch einige, die aus Liebe zur Kunst ihre Galerie machen, aber man muss immer vorsichtig sein, weil es sehr viele Galeristen gibt, für die es nicht wichtig ist, ob sie mit guten Künstlern zusammenarbeiten oder nicht. Für sie ist es wichtig, ob die Künstler, die sie haben, zur Zeit viel Geld bringen. Und wenn es bei dem Künstler nicht der Fall ist, dann machen sie auch nichts mehr, dann helfen sie nicht mehr, dann arbeiten sie nicht mehr mit dem Künstler zusammen. Das nimmt natürlich die Freiheit unabhängig von der kommerziellen Kunstwelt zu arbeiten. Esmeralda: Wie klassifizierst Du einen Galeristen? Mehrdad: Galeristen sind nette Leute, es sind aber auch Leute, die manchmal überhaupt nichts von Kunst verstehen. Natürlich kann ich nicht behaupten, dass alle Galeristen so sind. Es gibt auch einige, die aus Liebe zur Kunst ihre Galerie machen, aber man muss immer vorsichtig sein, weil es sehr viele Galeristen gibt, für die es nicht wichtig ist, ob sie mit guten Künstlern zusammenarbeiten oder nicht. Für sie ist es wichtig, ob die Künstler, die sie haben, zur Zeit viel Geld bringen. Und wenn es bei dem Künstler nicht der Fall ist, dann machen sie auch nichts mehr, dann helfen sie nicht mehr, dann arbeiten sie nicht mehr mit dem Künstler zusammen. Das nimmt natürlich die Freiheit unabhängig von der kommerziellen Kunstwelt zu arbeiten. ch habe einmal versucht, in Karlsruhe einen Galeristen zu finden, der meine Arbeiten ausstellt und dabei habe ich viele Enttäuschungen erlebt. Das lag daran, dass einige Galeristen sehr modern waren und sie mich zu konservativ fanden. Diese Galeristen hatten riesengroße abstrakte Bilder oder Installationen. Dabei handelte es sich um sehr große Räume, oft ohne Dekoration mit nur 2-3 großen Dingen in der Mitte des Raumes. Und dann kam ich mit meinen "kleinen" Zeichnungen. Sie haben gemeint, dass dies für sie zu altmodisch und konservativ sei, das wollten sie nicht. Dann bin ich zu den anderen Galeristen gegangen, die mir zu altmodisch waren und für die ich zu modern war, das waren Galeristen, die oft sehr viele uralte klassische Landschaftsgemälde und Stillleben hatten. Sie wollten meine Bilder nicht haben, weil ich zu modern war. Schließlich gibt es dann noch diese anderen Galeristen, die ich überhaupt nicht leiden kann, das sind Galeristen, die nur irgendwelche bunten Postkarten und bunte Drucke haben. Sie denken nur an das Geld und an die Mode. Daher habe ich mir Gedanken gemacht, was ich jetzt machen kann, um meine Bilder zeigen zu können, wenn ich nicht zu den Galeristen gehen will. Wie sollte ich das lösen? So kam ich in Heidelberg auf die Idee, meine Sachen in einem Raum zu zeigen, der eigentlich ein Theater ist, aber dieser Raum hat eine eigene Atmosphäre, er liegt sehr zentral, und so habe ich mir gedacht, dass dies ein guter Versuch wäre. Das ist der Romanische Keller, ein Theater in Heidelberg. Meine Überlegung war, dass in diesem Raum so viel Platz ist, das ich mindestens 70 Bilder ausstellen konnte und dann habe ich viel Werbung gemacht. Beim ersten Mal war ich sehr unsicher und hatte große Angst gehabt, dass es sich nicht lohnen würde, dass kein Mensch käme, weil ein Künstler immer denkt, dass Museen und Galerien die einzigen Kunstzentren sind. Heute weiss ich, dass ich die Galeristen gar nicht brauche, Galeristen sind nicht wichtig. Galeristen haben einen Vorteil, sie kennen sich aus, sie wissen was man machen muss, um eine gute Ausstellung zu machen und sie haben ein Publikum. Aber das Publikum habe ich mittlerweile auch, weil ich etwa 200 Adressen von Leuten, die interessiert waren im Laufe der letzten Jahre, bei meinen Ausstellungen gesammelt habe. Anfangs hatte ich nicht viel Ahnung, wie man Werbung macht, aber ich habe es versucht und es hat gut geklappt. Ich habe gelernt, dass man nicht sparen darf, man muss viel Geld und noch mehr Arbeit investieren, um eine gute Ausstellung anzubieten. Dieses Geld habe ich eigentlich auch nicht. Ich habe jeden Monat das berühmte Problem der Miete. Aber wenn man etwas wirklich will, dann schafft man das irgendwie. Esmeralda: Wann hast Du diese Idee zu den Ausstellungen gehabt? Mehrdad: Zum ersten Mal habe ich das im Jahr 1999 gemacht, es kam ein grosses Publikum, es war eine sehr erfolgreiche Veranstaltung. Ich habe sehr gut verkauft und dann habe ich einfach sechs Monate später nochmals eine Nachtausstellung gemacht und dann kamen noch mehr Menschen und es hat sich immer weiter gesteigert. Letztes Jahr habe ich noch die dritte Ausstellung organisiert und ich habe festgestellt, dass es genau der richtige Weg ist. Vielleicht einmal im Jahr eine große Ausstellung zu machen mit sehr viel Arbeit, d.h. sehr viel organisatorischer Arbeit und sehr viel Werbung. Das ist dann genug, das reicht, man kann dann aus dem Erfolg, den man in dieser Ausstellung hat, erst einmal eine gewisse Zeit leben und die Leute klopfen dann irgendwann von selbst an Deine Tür. Aber meine Unabhängigkeit von Galeristen ist nur in Heidelberg gültig, außerhalb von Heidelberg brauche ich die Galeristen, weil ich in anderen Städten keinen "Romanischen Keller" kenne und kein Mensch mich kennt.

K O N T E X T

MenschKunst-Galerie von Mehrdad: http://mehrdad-zaeri.menschkunst.de MenschKunst-Galerie von Esmeralda: https://www.menschkunst.de/go.php3?artist_id=536

Redakteur / Autor: für www.menschkunst.de

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